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Die
äußere Seite zeigt oben in sechs Kreisen die Jesus-Monogramme
YHS, XDS und XPS.
Darunter sehen wir die liegende (Grab-) Gestalt, in dunklem Gewand
mit braunem Mantel und weißem, schwarz gerandetem Schleier,
mit Stirnwunde und Dorn, das Haupt umgeben von einer 'aureola',
die an eine Dornenkrone erinnert.
Ritas Hände sind in jener Kreuzesform des 'Karsamstagschristus'
zusammengegeben, mit der man wahrscheinlich zu ihrer Zeit die
Segensformel begann.
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Rita
schläft in der Ruhe eines Helden, unter den Wappenzeichen
ihres Herrn: JHS, XDS, XPS, Symbole ihres Christus, die damals
durchaus nicht so neutral waren, wie wir sie heute empfinden.
Mit diesem Zeichen bezeugte Rita noch im Tode, dass sie zum Kreise
des 'humanistischen und biblischen Spiritualismus' eines Simon
von Cascia und eines Bernhardin von Siena gehörte: von Vielen
bekämpft und von noch mehreren mit Begeisterung begrüßt. |
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Vorderansicht
des Sarkophag, in dem die hl. Rita bis 1745 ruhte:
Maria Magdalena (li.), Christus am Karsamstag (Mitte), hl. Rita
mit dem Dorn (re.)
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Die
Vorderseite lässt uns in der Mitte eine Jesusgestalt sehen,
die P. Trapp als "Christus des Karsamstag" bezeichnet
(d.h. nicht als Schmerzensmann, wie man erst meinen möchte,
sondern halb im Grabe stehend sich zur Auferstehung
rüstet). Zu seiner Rechten steht die hl. Magdalena (sie ist
die Patronin des Klosters, das heute nach der hl. Rita benannt
ist), in eng anliegendem, gegürteten roten Gewand mit weißem
Überhang, das Salbgefäß mit der linken Hand Christus
ent-gegenhaltend. Zur Linken steht die hl. Rita in ähnlicher
Haltung, gewandet wie oben die Grabfigur, mit der Rechten den
Dorn zeigend auf Christus zu und zugleich zum Beschauer. |
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Ihr
toter Leib wurde zuerst in einen Sarg aus Zypressenholz gelegt
(die "cassa umile", re.)
und
dieser in einen Sarg aus Nussbaum
(die "cassa solenne",li.),
mit großartigen Malereien.
Im Inneren des Sarges sind rechts und links die Pergamente angebracht,
auf denen der Bischof von Spoleto im Jahre 1457 den Kult der seligen
Rita bestätigte. |
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Pilger
haben ein "Erinnerungsbild" oder Gebets-Zettel hinterlassen.
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Die
Innenseite zeigt auf hellblauem
Sternengrund zwei weißgewandete Engel,
die in einem Linnen die Seele der Heiligen
in den Himmel Christus entgegentragen.
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Die
Inschrift, über die ganze Länge der inneren Sargdecke
verteilt, lautet: "Ave, beata Rita"! Man muss 'beata'
wohl auch als 'beatificiert' lesen, denn unmittelbar danach folgt
das Symbol von JHS; das will wohl besagen, dass Rita in der Liebe
ihres gekreuzigten Heilandes selig wurde.
Den Namen Rita muss man ebenso in seiner Vollform als 'Margaritha'
- das ist 'leuchtender Edelstein' (bzw. Perle) - verstehen, und
da das Christus-Monogramm XPU folgt, wollte der theologische Maler
wohl verdeutlichen, dass Rita, - Margaritha -, durch Christus
der leuchtende Edelstein geworden ist.
Dieses
Wort: "Selig, du Rita, weil dich die Liebe zum Gekreuzigten
beseelt, selig du Rita, - Margaritha -, weil du der leuchtende
Edelstein deines Christus bist", ruft ihr ein Engel zu, den
der Maler über eine naive Himmelfahrt gesetzt hat. In einem
Leinentuche wird von zwei Engeln nämlich eine Frauenbüste
in die Höhe getragen. Beim näheren Studium verliert
die Darstellung nicht an Naivität, jedoch gewinnt sie mehr
und mehr an theologischer Tiefe.
Um diese
Deutung zu verstehen, muss auf Dante verwiesen werden, der im
humanistischen Cascia nicht unbekannt war und von dem man im Augustinerkloster
sogar einen Kommentator vorfand, der wohl schon vor Rita das "Paradies"
Dantes gelesen hatte. Die oben erwähnte Grabesinschrift nämlich
ist nach der Vorlage von Dantes "Lob auf den hl. Franz"
verfasst. Dante war nicht nur Poet, sondern auch theologischer
Dramaturge. In seinem "Paradies" erscheint er entweder
als Chronist, der schließlich auch Gesichter, Hände
und Füße beschreiben kann, er ist Regisseur, der seine
Heiligen auf die Bühne stellt und sie handeln lässt.
Da Heilige ja unsichtbar sind, bleiben sie also für das Auge
verborgen. Symbolhaft werden sie in eine Lichthülle gekleidet
und können von den Beschauern mit dem Auge hinter der Lichtgestalt
erahnt und durch die Stimme vernommen werden.
In diesem Zusammenhang gewinnt die Frauenbüste im Leinentuch
einen sehr aussagetiefen Sinn: Nicht um die Büste einer Frau
oder die der hl. Rita geht es hier, sondern von Wichtigkeit ist
die weiße Konturlinie mit dem Strahlenkranz, welche die
Gestalt umgibt; das heißt mit anderen Worten, dass sich
hinter diesem Lichtumriss der Hinweis auf eine heilige Frau verbirgt.
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Die
ganzen Darstellungen offenbaren eindrucksvoll, welche Verehrung
die Heilige schon unmittelbar nach dem Tod genossen hat, Illustration
eines "Rufes der Heiligkeit". Dazu kommt ein historisch
wertvoller Text, der am rechten Kopfende der liegenden Gestalt
in kunstvoller Schrift angebracht ist, ein Hymnus auf Ritas passionsmystisches
und caritatives Leben. |
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Der
bekannte Hymnus auf die hl. Rita,
der von großer historischer und
wissenschaftlicher Bedeutung ist.
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Hymnus
(Übersetzung)
Du bist nun seliggesprochen (1457) ob deiner heroischen Tugend;
dein Kreuz hat uns Licht und Beispiel gegeben. Du, Rita, hast
bitter leiden müssen; den Hasswirbel der traurigen Welt
musstest du verlassen. Du wolltest deine offenen Herzenswunden
im Kloster heilen. Sag mir, o Rita, hast du dir nicht großes
Verdienst zugelegt ob deines großen Kreuzes? Wo gab es
denn eine andere Frau so erhaben wie du, so auserwählt
über alle anderen Frauen, der in einem solchen Maße
das Geschenk des Kreuzes zuteil wurde? War es denn nicht ein
wahrer von Christus selber, den du empfangen hast?
"Ich habe nicht gerechnet mit Gott; ich habe geliebt! Nicht
um Lohn wie ein Tagelöhner, auch nicht um Himmelslohn.
Es wäre mir wie rechnerischer Egoismus erschienen, mit
dem Gedanken auch nur zu spielen, einen anderen Schatz zu haben
neben demjenigen, dem ich mich radikal und ganz gegeben".
"O Rita, du hast 15 Jahre den Dorn getragen und trotzdem
glaubst du dich nicht rein genug, in die Wonne des ewigen Lebens
einzugehen".
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