Spiritualität

Spiritualität

SPIRITUALITÄT

Die hl. Rita war eine sehr spirituelle Frau, eine Mystikerin. In unserer “Lebensordnung” haben wir Ritaschwestern verschiedene Aspekte aus der Lebensgeschichte der hl. Rita herausgearbeitet. Sie können für unser eigenes Leben wegweisend sein. Da die hl. Rita Ehefrau, Mutter und Ordensfrau war, kann ihre Spiritualität in besonderer Weise allen Menschen Orientierung geben.

Einfachheit

Christus-Beziehung

In Beziehung

Gehorsam

Friedensbotschaft

Rose

Einfachheit:Die Kargheit ihrer Heimat Roccaporena prägte Ritas Verhalten. Wie Rita werden wir durch ein einfaches Leben in Achtsamkeit zu einem Leben in Zufriedenheit geführt.
Christus-Beziehung:Der Gebetsfelsen auf dem Scoglio, die Einsiedelei und das Stigma der Stiirnwunde haben Rita in eine tiefe Christus-Liebe hineinwachsen lassen. Die Beziehung zu Gott, die Freundschaft mit ihm und das Hören auf sein Wort, können eine Kraftquelle sein, wenn uns im Leben freud- und leidvolle Situationen begegnen.
In Beziehung:Der Ehering Ritas stellt zwei Hände dar, die sich fassen.
Die Beziehung zu einem DU findet ihren Ausdruck:
– im Ja Gottes zu uns und in unserer Antwort auf seine Liebe,
– in der Treue Gottes zu uns und in unserer Treue zu ihm,
– in unserem Miteinander und Füreinander in Verantwortung.
Gehorsam:Der dürre Weinstock, den Rita im Gehorsam zu gießen hatte, brachte durch ihr Vertrauen in Gott neue Triebe hervor. Ein tiefes Vertrauen auf Gottes Nähe gibt uns die Kraft, die Herausforderungen des Lebens in unserem privaten und beruflichen Umfeld in Liebe und Hingabe zu gestalten und lässt “neues Leben” reifen.
Friedensbotschaft:Rita setzte sich – wie schon ihre Eltern – mit aller Kraft für den Frieden ein. Im Friedensfresko in der Franziskanerkirche in Cascia ist der Friedensschluss festgehalten. Durch Gebet und geduldige Gespräche gelang es Rita die verfeindeten Familien zu versöhnen. Es bleibt für uns eine lebenslange Aufgabe die Sprache des Friedens zu sprechen, konstruktiv mit Konflikten umzugehen und für Respekt, Versöhnung und Frieden einzutreten. Wenn wir Christus, der in jeder und jedem von uns lebt, im Blick haben, werden wir ein gutes Miteinander immer nue suchen und in kleinen Schritten finden.
Rose:Die Rose wird am Ende von Ritas Leben zum Symbol ihres gesamten Lebensweges. Freude und Leid, Blühendes und Dorniges bestimmen das Leben. Wenn wir dies unterschiedlichen Erfahrungen miteinander teilen, werden wir den “Wohlgeruch Christi” durch eine gute Atmosphäre verbreiten.

Pater Damasus Trapp OSA (s. a. Historie) hat in seinen Texten bereits auf mehrere Schwerpunkte von Ritas Spiritualität hingewiesen. Obgleich die Art seiner Schriften nicht in der heutigen Sprache geschrieben sind, so geben sie inhaltlich dennoch wertvolle Hinweise auf das Leben der hl. Rita.

NACH P. DAMASUS TRAPP OSA

“Warum ist Rita eine Heilige? Nicht so sehr wegen der Wunder, die die Volksfrömmigkeit der Wirksamkeit ihrer Fürsprache beim allmächtigen Gott zuschreibt, sondern eher wegen der erstaunlichen “Normalität” im täglichen Leben, das sie erst als Frau und Mutter, dann als Witwe und schließlich als Augustinerin führte.” (Papst Johannes Paul II)

Karsamstag-Christus

Der Christus des Heiligen Grabes ist die Achse, um den sich die Heiligkeit Ritas dreht und von dorther erklären lässt. Auf ihrem Prunk-Sarg (s. Bild) ist er in Tempera gemalt. Auch findet er sich zu Ritas Zeiten an anderen augustinischen Stätten der Umgebung Cascias wieder. In ihm ist auch der Hintergrund ihres stets gelassenen, starken Charakters zu entziffern: Rita sieht immer und überall, auch im Dunkel des Leides, das strahlende Licht des österlichen Lebens und der ewigen Liebe. Nicht die Ausweglosigkeit des Kreuzes bestimmt die Leidensliebe Ritas, sondern die freudige Hoffnung des Karsamstags, die den Sinn des Todes Jesu in die Verklärung führt. Die blutige Ohnmacht des schrecklichen Sterbens wird überragt von jenem Christus, der halb der Dunkelheit und des tödlichen Hasses entflohen ist. Es liegt über dem zur Hälfte aus dem Grabe gehobenen Herrn bereits ein Schimmer des Osterlichtes und der Morgen neuen Lebens. Das Bildnis dieses Christus ist jener Ausdruck des Humanismus (s.Simon Fidati), der das Menschenlos nicht mit kraftlosen Phrasen abtut, sondern ein Verhältnis der Sicherheit und des Vertrauens zu Gott aufbaut. Leid und Kreuz sind keine sadistischen Schicksalsschläge Gottes, sondern ein Geschenk der Liebe - und wenn man wie Rita sagen will, - ein Dorn der Liebe, den man möglichst in Freude, wenigstens aber in Frieden und in der Hoffnung Christus mit der Opfergeste zurückbringen soll, in der Rita auf alten Gemälden ihre gläubige Haltung ausdrückt. Dann wird auch uns der Ostermorgen so auffinden, wie er für die hl. Rita am 22. Mai 1447 anbrach.

Mystikerin/Kreuzesmystik/Stigmatisation

Die hl. Rita ist eine bedeutende Mystikerin des Augustinerordens. In der leidenschaftlichen Liebe zum Kreuz, als einer Gabe der Liebe, stellt sie uns einen Christus dar, nicht wie wir ihn uns vorstellen am Karfreitag, sondern wie er uns erscheint am folgenden Tag, dem Karsamstag (in der Vorahnung der Auferstehung). s.Band II (D.T.) 1442 ereignete sich die Stigmatisation (Dornenwunde), mit der sie 15 Jahre lang gezeichnet war. Im Augustinerinnenkloster in Cascia wird ein halboffener Raum gezeigt mit einem Fresko des Gekreuzigten vor dem Rita am Karfreitag die Stirnenwunde empfangen haben soll. Nach der Karfreitags-Predigt verbrachte sie die Nacht im Gebet vor dem Kreuz, ihre Mitschwestern fanden sie dort in der Frühe des Karsamstags bewusstlos liegen, mit dem Stigma gezeichnet. Die barocke Weiterentwicklung der Kunst übertrieb die Wunde und ihre Schrecklichkeit und vergaß darüber den Aussagewert des Stirnmals: dass nämlich die erlösende Liebe ein staunenswürdiges Wunder ist. Auf der reich bebilderten äußeren Kassette des Prunk-Sarges, der im Jahre 1457 gefertigt wurde, ist uns ein Bild der Heiligen gemalt, das ein edles, ja vornehmes Gepräge offenbart und vor allem den innersten Bezug dieser stigmatisierten Mystikerin des Quattrocento (bezeichnet ital. Stil im 15. Jhdt., Frührenaissance) zum Gekreuzigten kundgibt. Von Gott empfing sie das Kreuz als Liebesgeschenk; und als ein solches gab Rita täglich den Dorn zurück. Ein Hymnus auf Rita lässt auf ihr passionsmystisches und caritatives Leben schließen. Die innige Liebe zum Gekreuzigten zeigt eine Darstellung in der Kirche S. Antonio in Cascia: Christus am Kreuz, weiß gewandet, mit blutender Herzwunde auf dem Gewand, eine dreifache Krone tragend, wird angebetet von der Heiligen, die als kleine kniende Gestalt zu seinen Füßen abgebildet wird, im Nonnengewand, den Rosenkranz in der Hand. Es ist uns nicht bekannt, welcher Art diese Vision gewesen ist; ob sie hochmystisch oder eine gewöhnliche Gnadenerfahrung war. (Geschenk, Kreuzesgeschenk war sie.) Sie blieb fähig, selbst im äußersten Leid und in der menschlichen Schrecklichkeit jener Tag, zu verzeihen und den Frieden zu suchen. Nach jedem dieser Karfreitage nahm sie ihre Zuflucht zu Christus, dessen Geheimnis der Karsamstagsruhe sie verehrte. Er verbirgt nicht Kreuz und Wunden, verharrt aber im Frieden und in der Hoffnung auf das strahlende Licht des Ostermorgens. Die Betrachtung dieser Haltung ihres Christus gab ihr wohl schon von Kindheit (ein Bildnis von Christus am Karsamstag war bereits in ihrem Elternhaus) an jene wundervolle Ausgeglichenheit, die ihr Leben so staunenswert macht. Auch ihre spätere klösterliche Daseinsform hatte in dieser Geistesrichtung ihren verankerten Mittelpunkt. Rita und Kreuz sind untrennbar; aber ihre Verehrung dieses hl. Zeichens ist ihre eigene und charakteristische, nämlich die Versenkung in das Geheimnis des Herrn, der in der Erwartung der österlichen Erlösung unser Heil wirkt. Der erste Biograph will wissen, dass Rita schon als Kind und später als Frau und Nonne eine Verehrerin des hl. Grabes war: In einem Winkel ihres Hauses hatte sie das Grab ihres 'lieben süßen Jesus'. Als Gottgeweihte konnte sie nicht leben ohne Gebet und ohne Betrachten der Christuspassion. So hatte sie sich auch in ihrer armen Zelle ein Heiliges Grab gerichtet, vor dem sie in dankbarer Liebe kniete und sie einmal von ihrem Herrn in eine ekstatische Schau erhoben wurde.

Leiden, Krankheit und Sterben

Nachdem sie all das getan, was ich erzählt habe, und noch mehr, was ich in den Quellen selbst nicht fand, wurde sie von ihrem geliebten Herrn mit einer schweren Krankheit heimgesucht. Vier Jahre war sie bettlägerig. Der Körper war federleicht geworden. Sie aß und trank fast nichts mehr. Für alle war sie ein Spiegelbild der Geduld. Die Schwestern bemitleideten sie, vor allem jene, die an ihr Krankendienste verrichteten. Sie wunderten sich, dass sie noch am Leben bleiben konnte und schrieben diese Tatsache dem Empfang der hl. Kommunion zu. Als die letzte Stunde Ritas gekommen war, vermachte sie den Schwestern ein ergreifendes Testament: - 'Auf, meine lieben Schwestern, es ist Zeit! Ich muss von euch Abschied nehmen. Bleibt treu in der heiligen Liebe zu Jesus, der euch liebt'. - Die heilige Wegzehrung empfing sie mit großer Demut und Andacht, ermunterte daraufhin ihre Mitschwestern zu Beobachtung der Regel des hl. Augustinus, ermahnte auch zum Gehorsam der hl. römischen Kirche gegenüber; hatte ja das Schisma schmerzliche Wunden hinterlassen. Am Schluss legte sie ihre Hände in Kreuzesform auf die Brust und gab ihren letzten Segen, nachdem sie selbst von der Äbtissin gesegnet worden war. Hierauf bat sie alle in rührender Liebe um Verzeihung. Dann mahnte sie erneut: - 'Bleibt treu, ich bitte euch, im heiligen Gehorsam, so wie ihr ihn der Äbtissin versprochen habt und versagt ihr nie die Tat des Dienens. Bleibt treu in der heiligen Friedenshaltung und in der brüderlichen Liebe. Und Gott segne euch'.” Dann schließt der Biograph mit einem Bericht über ihr triumphales Begräbnis, das in der Vorahnung der ewigen Glorie gefeiert wurde. Rita hat eine ganz besondere Botschaft für die Menschen unserer Zeit: Not, Kreuz und Leid will ein Gottesgeschenk sein und dem gläubigen Menschen jene Geduld und Gelassenheit lehren, die alle schweren Stunden in Frieden und Tapferkeit des Herzens trägt. Das übergroße Leid auf Ritas Lebensweg hat ihre Persönlichkeit nicht vermindert. Gerade hierdurch ist sie zur starken Persönlichkeit herangereift, deren Blick ermutigend und mit stiller Heiterkeit den Bewunderer trifft. So stellte sie auch der Künstler auf der Vorderfront des Prunk-Sarges dar. Die eindrucksstärkste Geste ihrer Darstellungen, die erhobene rechte Hand, zeigt den Dorn ihrer geheimnisvollen Liebe in einer klar ins Auge gefassten Opferfreude. So vermag diese Frau, die vor 500 Jahren ihrer Seele nach die Erde verließ, dem modernen Menschen über alle Wechselfälle des Lebens den Mut und die Freude zum Dasein, zum Leiden, Lieben und Sterben zu schenken. (D.T.) Sarginschrift Du bist nun seliggesprochen (1457) ob deiner heroischen Tugend; dein Kreuz hat uns Licht und Beispiel gegeben. Du, Rita, hast bitter leiden müssen; den Hasswirbel der traurigen Welt musstest du verlassen. Du wolltest deine offenen Herzenswunden im Kloster heilen. Sag mir, o Rita, hast du dir nicht großes Verdienst zugelegt ob deines großen Kreuzes? Wo gab es denn eine andere Frau so erhaben wie du, so auserwählt über alle anderen Frauen, der in einem solchen Maße das Geschenk des Kreuzes zuteil wurde? War es denn nicht ein wahrer von Christus selber, den du empfangen hast? "Ich habe nicht gerechnet mit Gott; ich habe geliebt! Nicht um Lohn wie ein Tagelöhner, auch nicht um Himmelslohn. Es wäre mir wie rechnerischer Egoismus erschienen, mit dem Gedanken auch nur zu spielen, einen anderen Schatz zu haben neben demjenigen, dem ich mich radikal und ganz gegeben". "O Rita, du hast 15 Jahre den Dorn getragen und trotzdem glaubst du dich nicht rein genug, in die Wonne des ewigen Lebens einzugehen".

Friedensstifterin

Rita widmete sich selbst dem Werke der Friedensstiftung. Durch immerwährendes Gebet fand sie das rechte Wort zur rechten Zeit. Auf dem Sterbebett bittet sie ihre Mitschwestern u.a.: 'Bleibt treu in der heiligen Friedenshaltung und in der brüderlichen Liebe'. Nach den ersten Biographen waren Ritas Eltern als Friedensstifter bekannt. Die Legende hat sich diese Aussage angeeignet und diesen außergewöhnlichen Umstand auch mit dem außergewöhnlichen Titel "Friedensstifter Jesu Christi" bezeichnet. Die außerordentliche Betonung dieses Titels scheint verdächtig, denn zur Zeit der hl. Rita war ein Friedensstifter eine nicht ungewöhnliche Gestalt im Leben Cascias. (s.a. Historie).

Liebe und Caritas

In der sogenannten "Kurzen Biographie" des Notars von 1457 findet sich auch die wichtige Angabe, dass Rita 40 Jahre im Kloster lebte, dort dem Herrn diente in Liebe und Caritas, in Fasten und Gebet. Sie war treu im Dienste Gottes, und Gott, Wunder wirkend durch ihre Fürbitte, war treu, nach seinem Wort: 'Er wird einem jeden vergelten nach seinen Werken'." Das passionsmystische und caritative Leben der hl.Rita kommt in dem Hymnus auf Ritas Prunk-Sarg deutlich zum Ausdruck. Er führt dies in frohlockenden Worten aus: sie lebte und liebte nicht taglöhnerisch, sie führte nicht Buch über Verdienste, sondern sie liebte und gab sich ganz und radikal ihrem Herrn zu eigen. Das ist auch die Antwort auf die Frage nach ihrer Buße, wie andere Quellen übrigens schon im Jahre 1457 bezeugen. Mystik der Caritas Wer unter dem Gesetz der Liebe lebt, muss selber mit jeder Faser seines Herzens lieben. Diese Ausschließlichkeit bestimmte Ritas Hingabe an den Herrn. Öfters wiederholt der alte Schriftsteller: 'Was konnte sie denn dem Herrn mehr geben, wenn sie sich ganz und gar ergab? Sie glühte und brannte innerlich. Das göttliche Feuer zündet und brennt; aber es verbrennt nicht.' In einer solchen Gesinnung der Hingabe lebte Rita als Mädchen, als Frau, als Mutter, Witwe und Gottgeweihte. Hundert Jahre nach ihrem Tode war ihre Liebesmystik noch in Cascia bekannt und wurde von Künstlern besungen und auf einem Gemälde in S. Antonio in Cascia der Nachwelt erhalten. Hier erscheint Rita in dreifacher Verkleinerung. Vor einem Christus, der in dreifacher Vergrößerung, steht ein Minnesänger, der in normaler Proportion wiedergegeben ist. Er besingt dieses Liebesleben, das sich selbst vergisst und ganz im Geliebten aufgeht. Wie Johannes lehrt, bedingen sich Gottesliebe und Caritas gegenseitig. Auch die Biographie bezeugt: 'Wenn Rita dem Nächsten helfen konnte, war sie freudig, eifrig und bereit, auch unter Lebensgefahr noch Caritas zu üben. So hatte sie es schon als Kind von ihrer Mutter gelernt. Als sie noch bei Vater und Mutter war, gab sie den Armen oft die besten Sachen, die sie besaß.' Die Verwirklichung der totalen Hingabe wird in einem besonderen Ereignis erwähnt: 'Einst machte Rita einen Besuch im Kirchlein von St. Maria Magdalena. Mit großen theologischen Ausführungen wurden die Worte Jesu vom Prediger interpretiert: - Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. - Rita wurde erleuchtet vom göttlichen Licht und von göttlicher Gnade, ohne des schillernden Spieles der theologischen Begriffe gewahr zu werden. Von jener Stunde an begann für sie ein neues Leben. Ihr Sinnen und Trachten im Denken, Reden und Tun war allein auf Christus hin gerichtet, ohne den sie nicht mehr leben konnte und dem sie sich in ausschließlichster Nachfolge anschloss. Immer treuer ward ihr Dienst der Caritas: einfach und spontan im Alltag wie auch in den dramatischen Stunde ihres Lebens, oder bei den oft wiederkehrenden Epidemien. Rita war sich dessen bewusst, dass ihr 'geliebter' Jesus in den Armen und in der Armut gegenwärtig war. Den Armen diente sie nicht in dem Sinne, als ob sie mit ihrer Caritas der Umwelt ein soziales oder politisches Ideal zeigen wolle; sie diente nicht um Lohne und dachte nicht an Verdienst; denn sie diente IHM! Es ist nicht überliefert, wie umfangreich dieses Tun im einzelnen war. Der Biograph des Notars von 1457 sagt nur, dass sie '40 Jahre lebte in Caritas und Gottesdienst'. Das jedoch ist uns verbürgt, wie sie in den 40 Jahren, die ihrem Klosterleben als Tochter, Frau und Mutter vorangingen, in liebevoller Hinwendung zu den Armen Gutes tat. Ritas Wesenszüge lassen erkennen, wie sehr sie die Ihren, besonders ihren Gatten, mit der Fülle menschlicher, christlicher und göttlicher Liebe beglückte. "Christus war das Licht und der Atem dieser Seele." Der älteste Biograph beruft sich auf nicht mehr vorhandene Quellen; und so bedienen wir uns gern seiner naiven Ausdrücke, um die Heilige näher kennen zu lernen: "Nichts," - so sagt er, - "fehlte Rita in ihrem kleinen Castell. Sie war verehrt von allen, verwöhnt von der göttlichen Liebe, reich an Gütern und frei, zu verfügen, wie es ihr beliebte". So wenigstens schien es nach außen um sie bestellt. Die Menschen wussten nicht, dass der Herr ihr in jungen Jahren eines Tages erschienen war und seitdem zwei Ideale in ihrer Seele stritten. Es war ihr, wie wenn Martha zu Maria sagte: 'Der Meister ist da und ruft dich'. Und Maria musste immer wieder aufstehen - und der alte Anruf Gottes übertönte Alles.- Das Geheimnis der zweifachen Anwesenheit von Martha und Maria in Ritas Seele kann ihren Beruf zum Klosterleben etwas verständlicher machen. In jeder heiligen Seele lebt eine Martha, die wohl schon zufrieden wäre, wenn sie dem Herrn den Tisch deckt; aber ihre Schwester Maria, die ja auch in der Tiefe der Seele lebt, kann es nicht über sich bringen, ihm zu Füßen zu sitzen. Aus einer feinen Sicht spricht der Biograph über ein solches Doppelleben: 'Rita liebte Jesus in vollkommener Liebe und deshalb berief sie der Herr zur Gnade eines wirklichen religiösen Lebens und zeigte ihr die Gipfel aller Vollkommenheit und Heiligkeit'. Welche Atmosphäre herrschte im Kloster von Maria Magdalena? Sämtliche Geschichtsquellen betonen ein fundamentales Faktum: Es herrschte Liebe! Und Rita wirkte sie in Wort und Tat.

Armut

Die Lebens- und Klosterregel des hl.Augustinus steht auf dem Fundament des gemeinsamen Besitzes. Mit dieser Regel war Rita vertraut. Ritas Armutsideal für sich selbst fußte darin wie der erste Biograph es beschreibt bzw. Rita selbst die Armut ihrer bescheidenen Zelle (laut seinem Bericht) mit ihren eigenen Worten begründet: "Wie könnte ich eine große Zelle haben, da mein Christus auf einem engen Kreuze litt? Wie könnten hier helle bunte Glasfenster leuchten, da mein Christus nur dunkle Wunden trägt?" Die Worte des Evangeliums: 'Verkaufe alles, was du hast, dann komm und folge mir nach' verstand sie wie Franz von Assisi wörtlich. Sie hörte Jesus sagen: 'Folge mir, denn ich bin arm, nicht aus Zwang, sondern freiwillig. Folge mir, denn nicht Strafe für Sünden ist meine Armut, sondern Geschenk meiner Liebe! Armut schenke ich. Dir schenke ich sie, Rita, wie ich Gottes Gnade jenem Gerechten schenke. Armut in meinem Hause ist nicht Enterbung. In meiner Gesellschaft, meiner Familie ist mir der Hungernde doppelt Freund'. Wer nur aus bitterer Notwendigkeit arm ist, darf solch große Worte natürlich nicht aussprechen; sie könnten den Klang der echten Wahrheit sonst verlieren. Rita jedoch war nicht die armselige Bäuerin, wie sich die Barockzeit aus Unwissenheit des historischen Rahmens Rita konstruiert hatte. Sie war eine bürgerliche Tochter Cascias, die ihre gesetzliche Mitgift von 150 Gulden mit ins Kloster brachte und zudem vor ihrem Eintritt mit eigenen Mitteln die Restaurierung des Klosterkirchleins besorgte. 'Indem sie sich selbst aufgab, in dem sie die Welt aufgab, indem sie alles hingab, was sie besaß', so sagt der alte Biograph, 'konnte sie sich erlauben, viel Almosen zu geben'. Dem fügt er noch hinzu: 'Weil sie den dornenvollen Reichtum der Welt aufgab, (Christus hatte einmal den Mut, den Reichtum mit Dornen zu vergleichen,) wurde Rita für das Geschenk des geistigen Dornes des Herrn gewürdigt. Wir bewegen uns also auf der hohen Ebene von St. Ritas Spiritualität. Alle Quellen sind sich darüber einig, dass sie den Dorn als ein hohes Geschenk der Liebe ihres Herrn betrachtet. Dadurch wurde sie die wahre Verkünderin jener Armut, die alles geben muss, um für das eine, große, notwendige Geschenk fähig zu werden, für Christus selbst." Rita antwortete auf die Berufung mit einem bereiten 'Ja'. Sie wollte sein wie 'Maria' und deshalb wagte sie immer wieder von neuem die Bitte um Aufnahme an der Klosterpforte, an der sie mehrfach abgewiesen wurde. Dann zögerte sie nicht, die Welt zu verlassen und damit alles zu verlassen, was sie je zu eigen hatte, um ihm besser dienen zu können, den sie 'ihren süßen Jesus' nannte, wie uns der Biograph überliefert; und diese Bezeichnung will in diesem Wortlaut verstanden sein! Vielleicht kam sie durch die Ansässigkeit verschiedener Glasereien in Cascia zu dem Vergleich, dass die Güter der Reichen wie Glasperlen seien: Sehr zerbrechlich und zum Aufbewahren viel zu gefährlich. Ein anderes Mal: Es ist doch ein Geheimnis, dass man Reichtum haben muss, um die Welt zu kaufen; um den Himmel zu kaufen, ist die Verachtung des Reichtums vonnöten. Was der Wind verweht, kauft man mit Tageslohn; den Himmel dagegen mit der Verachtung jeden Lohnes.

Gehorsam

In der Legende vom Weinstock wird Rita als die "gehorsame Ordensfrau" dargestellt. Als selbständige Ehefrau, als Mutter und schließlich als alleinerziehende Mutter von 2 Söhnen war sie gewohnt zu entscheiden, eigenständig zu handeln. Von diesem Leben geprägt war es für Rita sicher nicht leicht, sich in die Klostergemeinschaft einzufügen, und unterzuordnen. Auf ihrem Sterbebett ermahnte sie ihre Mitschwestern 'auch zum Gehorsam der hl. römischen Kirche gegenüber' und 'Bleibt treu, ich bitte euch, im heiligen Gehorsam, so wie ihr ihn der Äbtissin versprochen habt und versagt ihr nie die Tat des Dienens...'

Fasten und Gebet

Vierzig Jahre lang lebte Rita das monastische Ideal in Fasten und Gebet. Freiwillig hatte sie sich auf die Formel des Bußleben verpflichtet, die lautete: "Wasser und Brot", - und es auch gelebt. Spätere Schriftsteller erklärten diese Lebensführung als eine Wiederholung von vier oder fünf Fastenzeiten im Jahr. Der Grabgesang Ritas führt dies in frohlockenden Worten aus: 'Sie lebte und liebte nicht taglöhnerisch, sie führte nicht Buch über Verdienste, sondern sie liebte und gab sich ganz und radikal ihrem Herrn zu eigen' Das ist auch die Antwort auf die Frage nach ihrer Buße, wie andre Quellen übrigens schon im Jahre 1457 bezeugen. Aus diesem Grunde diente sie Gott in der monastischen Liturgie und den langen Gebetsnächten. Woher hatte Rita die heldenmütige Liebe ohne Rast, die Kraft zur Selbstentäußerung, die ganz rein sein wollte, den Mut zur Armut ohne Kompromiss? Die Antwort dafür lag in der Einfachheit ihres Herzens und in der Innigkeit ihres Gebetes! Das Gebet war für sie eine Burgfestung, die Sicherheit versprach; ein Turm, in den sie sich gerne zurückzog, um von dessen Höhe auf die schöne Welt, aber auch auf ihre Nichtigkeiten zu sehen. St. Augustinus nannte einmal die Festungstürme an den Grenzen des Römerreiches 'Symbole der Sicherheit, die uns auf das Gebet verweisen könnten. Die stolzen Türme Cascias, die wie alle schönen Dinge in der Welt und in der Schöpfung zum feinfühlenden Herzen Ritas sprachen, ließen sie im Sinnbild die Macht und Stärke des Gebetes erkennen. Das Gebet bringt Licht in die Seele, nimmt den Gedanken der Schmetterlingsflügel, die so gerne um große und kleine Hinneigungen flattern. Da bot ihr der 'Turm' Ruhe zum Gebet und heitere Gelassenheit. Die Freuden der Welt nahmen Abschied und es erblühte in ihr die Freude, die von Gott kommt. Derartige Feststellungen können heute unrealistisch erscheinen. Es wäre aber nicht verkehrt, wollten wir sie mit allem Respekt annehmen und uns sagen lassen, dass sie eventuell wahr sein könnten. Ritas Liebe zu ihrem Christus war nicht süßlich, sondern stark. Ihr Gesicht atmet Kraft und Willenstärke. Für Rita war die Betrachtung des Herrenleidens und -lebens ein heroischer Geistesflug, lächelnd noch im harten Ringen um ihren Gott.

Augustinerin

Bekannt sind uns ihre Besuche im Kloster von S. Maria Magdalena, in dem sie möglicherweise eine Verwandte als Nonne hatte, jedenfalls aber waren es Frauen ihrer sozialen Stellung. Auch wissen wir von ihren Gängen nach S. Augustin, jenem mächtigen Kirchenkomplex, der nahe bei der Festung und den Regierungspalästen lag. Wegen seiner ehrwürdigen Tradition und der herausragenden Platzierung der Kirche und des Klosters gewann es eine derartige Bedeutung, dass man ohne weiteres Cascia als augustinische Stadt bezeichnen kann. Es ist nicht undenkbar, dass St. Rita in der Kirche des hl. Augustinus zur Augustinerin wurde. Jedenfalls wählte sie jene drei Heiligen, Augustinus, Johannes den Täufer und Nikolaus von Tolentin zu ihren persönlichen Patronen, die in dieser Kirche verehrt wurden. Dass ihr die drei Patrone erschienen und in ihr bei einer Vision den heißen Wunsch wach werden ließen, sich im Kloster Gott zu weihen, diese Begebenheit ist geschichtlich verankert und wird in nüchternen Worten auf einer uralten Darstellung, dem sogenannten sechsteiligen Gemälde, wiederholt. Sicher kannte sie Augustinus in umbrischer Ausgabe. In diesem einfachen Heftchen lebte wahrhaft augustinischer Geist und augustinische Spiritualität, mag die moderne Wissenschaft auch nicht mehr all zuviel davon halten. Die Klostergemeinschaft in S. Maria Magdalena in Cascia lebte nach der Regel des hl.Augustinus. S. Augustinus, der Former und Vater der Spiritualität der hl. Rita, war selber fest überzeugt, dass Liebe zu Gott und zum Nächsten sich nicht in Einklang bringen lassen mit der Verkrampfung ins Irdische. Die Grundpfeiler der Regel waren Rita vertraut wie 'Unruhig ist unser Herz bis es Ruhe findet in dir' und 'Ehrt gegenseitig in euch Gott, dessen Tempel ihr seid',..

Simon Fidati von Cascia (1275-1348), Augustiner-Theologe, Schriftsteller

Auf einem Marienbild in der Kirche der Madonna della Delibera aus der gleichen Zeit ist Rita dargestellt zusammen mit dem Sel. Simon von Cascia, einem bedeutenden Gelehrten aus dem Augustinerorden. Das Hauptwerk des Simon Fidati ist ein Evangelien-Kommentar in 15 Bänden. Er verfasste den ersten Erwachsenen-Katechismus in italienischer Sprache. In Florenz gründete er das Frauenkloster der hl.Elisabeth, das sogenannte "Kloster der Bekehrten", viele Frauen traten dort ein, um zu büßen, ebenso das Kloster der hl.Katharina. Der Meister ihrer Spiritualität, der selige Simon von Cascia lehrte sie erkennen: "Lieben ist eine Tugend, geliebt werden ist keine Tugend, sondern ein seltenes Glück". Durch ihn wurde sie mit der Wahrheit betraut, dass christliche Freundschaft ein echtes und wertvolles Gut darstellt, wenn man selbst der aktiv Liebende ist, nicht wenn man nur geliebt wird oder alles daran setzt, um geliebt werden zu wollen. Geliebt zu werden ist ein Glück, das den fundamentalen Tugendwert der Freundschaft nicht bestimmt. "Kein Lohn ist lohnender als die Liebe und nichts zu lieben ist bitterer als der Tod." - Das ist ein heroischer Grundsatz; er will besagen, dass man nicht wie ein Tagelöhner nur den Lohn im Auge haben soll, das Verdienst und die Aussicht auf die Seligkeit des Himmels. Wer den Herrn in Wahrheit lieben will, der muss sich ausschließlich begnügen mit dem göttlichen Schatze, neben den kein andrer existiert, neben dem man nach keinem anderen verlangt. (vgl. Sarginschrift). Ihre Passionsgeschichte entbehrte nicht der frohen, hoffnungsvollen Züge, wie ihre Bilderklärungen mehr als deutlich machen. Auch Simon von Cascia weist diese Tendenz auf. Freude soll in den Augen leuchten, wenn Herzen und Hände bluten! Rita schläft in der Ruhe eines Helden, unter dem Wappenzeichen ihres Herrn: JHS, XDS, XPS, Symbole ihres Christus, die damals durchaus nicht so neutral waren, wie sie heute unserem Empfinden nahe stehen. Mit diesem Zeichen bezeugte Rita noch im Tode, dass sie zum Kreise des humanistischen und biblischen Spiritualismus eines Simon von Cascia und eines Bernhardin von Siena gehörte: von Vielen bekämpft und von noch mehreren mit Begeisterung begrüßt. "Das menschliche Herz bei Simon Fidati", P. Willigis OSA, 2005, Zusammenfassung.